Überarbeitet am 9. September 2026.
Dieser Artikel entstand ursprünglich zum World Backup Day am 31. März. Inzwischen finde ich das Thema zu wichtig, um es nur an einem Aktionstag festzumachen. Ein Backup ist kein Häkchen, das man einmal setzt – es ist ein Prozess.
Gerade auf meinem eigenen Server habe ich über die Jahre gemerkt: Entscheidend ist nicht nur, dass irgendein Backup läuft, sondern ob ich im Ernstfall tatsächlich wieder an meine Daten komme.
Die 3-2-1-Regel als gute Basis
Das BSI empfiehlt die bekannte 3-2-1-Regel als sinnvolle Backup-Strategie:
- 3 aktuelle Kopien wichtiger Daten,
- auf 2 unterschiedlichen Medien beziehungsweise Speichersystemen,
- davon mindestens 1 Kopie an einem anderen Ort.
Das bedeutet nicht, dass jeder private Rechner exakt drei Festplatten braucht. Die Idee dahinter ist Redundanz: Ein einzelner Defekt, Diebstahl oder Bedienfehler darf nicht alle Kopien gleichzeitig erwischen.
Synchronisation ist noch kein Backup
Ein häufiger Denkfehler: „Meine Dateien liegen in Nextcloud, also sind sie gesichert.“
Eine Synchronisation ist praktisch, aber wenn eine Datei gelöscht oder beschädigt wird, kann genau diese Änderung auf andere Geräte synchronisiert werden. Papierkorb und Versionierung helfen zwar, ersetzen aber keine unabhängige Sicherung.
Für meine Serverdaten setze ich deshalb zusätzlich auf BorgBackup. Die Einrichtung beschreibe ich hier: BorgBackup unter Debian und Ubuntu einrichten.
Backups sollten automatisiert laufen
Ein Backup, an das ich jeden Freitag manuell denken muss, wird irgendwann vergessen. Deshalb sollten wichtige Sicherungen nach Möglichkeit automatisch über Timer, Cronjobs oder die Backup-Software laufen.
Automatisch bedeutet aber nicht unbeaufsichtigt. Ich kontrolliere regelmäßig:
- ist der letzte Lauf erfolgreich gewesen?
- ist auf dem Ziel noch genügend Speicher frei?
- wird wirklich das richtige Verzeichnis gesichert?
- sind alte Sicherungen sinnvoll aufbewahrt und bereinigt?
Backup vom gleichen Rechner reicht nicht
Eine zweite Kopie auf derselben SSD hilft nicht, wenn die SSD stirbt. Eine USB-Festplatte, die dauerhaft am Rechner hängt, ist ebenfalls nicht ideal gegen Ransomware oder Überspannung.
Deshalb trenne ich produktive Daten und Sicherung räumlich beziehungsweise technisch. Bei meinem Server liegt eine Backup-Kopie beispielsweise auf einer externen Storage Box.
Verschlüsselung nicht vergessen
Sobald Backups sensible Daten enthalten und auf einem externen Speicher liegen, ist Verschlüsselung besonders wichtig. BorgBackup kann das Repository bereits bei der Initialisierung verschlüsseln.
Passphrase und Schlüssel dürfen dann allerdings nicht ausschließlich auf dem Server liegen, der selbst gesichert wird. Sonst kann ein kompletter Serververlust dazu führen, dass zwar das Backup existiert, aber der Schlüssel fehlt.
Der wichtigste Punkt: Restore testen
Ein Backup-Job kann jahrelang „erfolgreich“ melden und trotzdem unvollständig sein. Deshalb gehört ein Wiederherstellungstest zur Strategie.
Das muss nicht jedes Mal der komplette Server sein. Schon eine einzelne Datei gezielt zurückzuholen zeigt, ob Repository, Zugang, Passphrase und Archiv tatsächlich funktionieren.
Dazu habe ich eine eigene Anleitung: Einzelne Dateien mit BorgBackup wiederherstellen.
Was gehört überhaupt ins Backup?
Bei einem Server denke ich nicht nur an hochgeladene Dateien. Wichtig sind je nach Setup auch:
- Datenbanken,
- Konfigurationsdateien,
- Docker-Compose-Dateien und Umgebungsdateien,
- Zertifikate und Schlüssel,
- individuelle Skripte,
- Benutzerdaten und Medien.
Bei Datenbanken reicht es nicht immer, einfach das laufende Datenverzeichnis zu kopieren. Saubere Dumps oder anwendungsspezifische Backup-Verfahren sind oft die bessere Lösung.
Wie oft sichern?
Das hängt davon ab, wie viel Datenverlust akzeptabel wäre. Bei einem privaten Fotoarchiv reicht vielleicht täglich. Bei einer häufig genutzten Datenbank können kürzere Intervalle sinnvoll sein.
Das BSI empfiehlt, Backup-Intervalle bewusst festzulegen und regelmäßig zu kontrollieren, ob die Sicherungen vollständig und lesbar sind.
Fazit
Der World Backup Day ist eine nette Erinnerung. Entscheidend ist aber der Rest des Jahres: mehrere unabhängige Kopien, Automatisierung, Verschlüsselung und vor allem echte Restore-Tests. Denn erst wenn eine Datei wiederhergestellt wurde, weiß ich wirklich, dass das Backup nicht nur Speicherplatz verbraucht.
Gedanken dazu 0 Kommentare
Noch ist es ruhig hier. Dein Gedanke könnte der erste sein.
Was denkst du dazu?
Dein Kommentar erscheint nach der Freigabe.