Überarbeitet am 9. September 2026.

Dieser Artikel ist für mich inzwischen ein kleines Zeitdokument. Im Dezember 2022 bin ich über meine Fediverse-Bubble erstmals auf ChatGPT gestoßen. Ich ließ mir unter anderem eine Nginx-Konfiguration erklären und fragte nach der Herkunft meines Vornamens – und war ziemlich verblüfft, wie brauchbar die Antworten wirkten.

Vier Jahre später gehört KI für mich viel selbstverständlicher zum Technikalltag. Gleichzeitig sehe ich einige Dinge deutlich kritischer als beim ersten Ausprobieren.

Eine Korrektur zum alten Artikel

Ich hatte damals geschrieben, ChatGPT sei im Mai 2021 veröffentlicht worden. Das war falsch. OpenAI stellte ChatGPT am 30. November 2022 als öffentliche Research Preview vor.

Auch meine damalige Beschreibung „Wissensstand bis Ende 2021“ ist heute keine sinnvolle allgemeine Aussage mehr. Moderne ChatGPT-Versionen können je nach Produktfunktion unter anderem aktuelle Informationen recherchieren, mit Dateien arbeiten und verschiedene Werkzeuge einsetzen. Trotzdem sollte man Aktualität nie einfach voraussetzen.

Was kann ChatGPT 2026 gut?

Für mich liegt die Stärke weniger darin, eine Suchmaschine zu ersetzen. Interessanter ist, dass man ein Problem im Dialog bearbeiten kann.

Typische Beispiele:

  • Linux- oder Docker-Befehle erklären lassen,
  • Fehlermeldungen gemeinsam analysieren,
  • Konfigurationsdateien überprüfen,
  • Texte strukturieren oder überarbeiten,
  • Ideen für Artikel oder Projekte entwickeln,
  • lange Dokumente zusammenfassen,
  • bei Programmierprojekten Code entwerfen und Fehler suchen,
  • Rechercheergebnisse ordnen und verständlich erklären.

Genau der Dialog ist dabei praktisch: Wenn etwas unklar ist, kann ich nachhaken, einen anderen Ansatz verlangen oder zusätzliche Informationen liefern.

KI kann sehr überzeugend falsch liegen

Das ist für mich weiterhin der größte Haken. Eine Antwort kann hervorragend formuliert sein und trotzdem einen falschen Befehl, eine erfundene Quelle oder eine überholte Information enthalten.

Gerade bei Serverkonfigurationen ist das wichtig. Einen vorgeschlagenen Befehl kopiere ich nicht deshalb als Root auf einen Produktivserver, weil er selbstbewusst erklärt wurde.

Bei Dingen, die Schaden anrichten können, gehören für mich weiterhin dazu:

  • offizielle Dokumentation prüfen,
  • Konfiguration vorher sichern,
  • Test- oder Dry-Run-Möglichkeiten nutzen,
  • verstehen, was der Befehl eigentlich macht.

Recherche ist besser geworden – Quellen bleiben wichtig

2022 war ChatGPT im Wesentlichen ein Dialog mit dem trainierten Modell. Heute können aktuelle ChatGPT-Funktionen je nach Nutzung auch im Web recherchieren und Quellen heranziehen.

Das ist ein großer Fortschritt, löst das Grundproblem aber nicht vollständig. Eine Quelle kann falsch interpretiert werden, veraltet sein oder gar nicht genau die behauptete Aussage stützen. Bei wichtigen Fakten schaue ich deshalb lieber einmal in die Originalquelle.

Datenschutz: nicht alles in einen Chat kopieren

Bei technischen Problemen ist es verlockend, einfach komplette Konfigurationen, Logs oder Datenbanken einzufügen. Dabei können aber Passwörter, API-Schlüssel, E-Mail-Adressen, interne Hostnamen oder personenbezogene Daten enthalten sein.

Vor dem Hochladen oder Einfügen prüfe ich deshalb, welche Informationen wirklich benötigt werden. Secrets gehören grundsätzlich ersetzt oder entfernt.

KI nimmt einem das Denken nicht ab

Das klingt vielleicht banal, wird aber wichtiger, je besser die Systeme werden. Wer sich einen Linux-Befehl nur kopieren lässt, lernt wenig. Wer sich erklären lässt, warum ein Befehl funktioniert und was jede Option bedeutet, kann KI dagegen sehr gut als Lernhilfe verwenden.

Das merke ich selbst gerade bei Themen, in die ich mich neu einarbeite. KI ist für mich am nützlichsten, wenn sie den Einstieg erleichtert und ich danach besser verstehe, was ich selbst tue.

Modelle haben sich seit 2022 massiv verändert

Das ursprüngliche ChatGPT aus der Research Preview hat mit dem heutigen Produkt nur noch den Grundgedanken des Dialogs gemeinsam. OpenAI veröffentlicht inzwischen regelmäßig neue Modellgenerationen. Im Sommer 2026 kam beispielsweise die GPT-5.6-Familie mit unterschiedlichen Varianten für schnelle Alltagsaufgaben und anspruchsvollere Wissensarbeit hinzu.

Welche Modelle und Funktionen verfügbar sind, hängt vom jeweiligen Tarif und vom Zeitpunkt ab. Genau deshalb würde ich diesen Artikel nicht mehr an einer einzelnen Modellnummer aufhängen.

Meine Vorteile von ChatGPT

  • niedrige Einstiegshürde in neue technische Themen,
  • schnelles Erklären von Fehlermeldungen und Dokumentation,
  • guter Sparringspartner für Ideen,
  • hilfreich beim Strukturieren größerer Aufgaben,
  • Code und Texte lassen sich iterativ verbessern,
  • komplexe Dinge können in einfachere Sprache übersetzt werden.

Meine Nachteile und Risiken

  • falsche Antworten können sehr überzeugend klingen,
  • Quellen und aktuelle Fakten müssen kontrolliert werden,
  • vertrauliche Daten dürfen nicht gedankenlos hochgeladen werden,
  • zu viel Automatisierung kann dazu führen, dass man selbst weniger versteht,
  • bei Recht, Gesundheit, Finanzen oder produktiver IT sind Fehler besonders folgenreich.

Fazit nach vier Jahren

Meine Begeisterung von 2022 ist nicht verschwunden – im Gegenteil. Ich nutze KI heute für wesentlich anspruchsvollere Dinge als damals. Aber ich vertraue den Ergebnissen weniger blind.

Für mich ist ChatGPT am stärksten als Werkzeug und Gesprächspartner: Ideen entwickeln, Dinge erklären, recherchieren, Fehler suchen und gemeinsam Lösungen bauen. Die Verantwortung dafür, ob eine Lösung richtig und sinnvoll ist, bleibt trotzdem bei mir.

Quellen: OpenAI: ChatGPT ist da (30. November 2022) und OpenAI: GPT-5.6.