JustWatch: Der deutsche Streaming-Markt im 1. Quartal 2026

Beim Streaming bleibt in Deutschland vieles gleich – und trotzdem verschiebt sich gerade eine Menge. Genau das zeigen die neuen Zahlen von JustWatch zum ersten Quartal 2026.  

Oben bleibt es eng, aber die großen Anbieter wackeln leicht

Netflix und Prime Video liegen weiter vorn. Beide kommen laut JustWatch auf 24 Prozent Marktanteil in Deutschland. Auf den ersten Blick wirkt das nach Alltag. Schaut man etwas genauer hin, sieht es aber anders aus: Netflix verliert im Vergleich zum Vorquartal 1 Prozentpunkt, Prime Video sogar 2. Im Jahresvergleich fällt das noch stärker auf. Netflix gibt 3 Prozentpunkte ab, Prime Video 5.  

Das ist noch kein Absturz. Aber es zeigt ziemlich klar, dass der Markt nicht mehr nur aus zwei, drei dominanten Diensten besteht. Die Aufmerksamkeit verteilt sich stärker. Disney+ hält sich mit 18 Prozent stabil weit oben. Dahinter wird es dann richtig interessant.  

Apple TV+ und RTL+ machen still und leise Boden gut

Apple TV+ wächst weiter und kommt inzwischen auf 9 Prozent. Im Jahresvergleich sind das 2 Prozentpunkte mehr. Das klingt erst mal klein, ist in so einem engen Markt aber ein ordentlicher Schritt. Ich habe bei solchen Übersichten oft den Eindruck, dass Apple TV+ lange unterschätzt wurde. Der Dienst ist nicht überall laut, sammelt aber ziemlich konstant ein.  

Ähnlich spannend finde ich RTL+. Der Dienst liegt bei 5 Prozent und hat gegenüber dem Vorjahr ebenfalls 2 Prozentpunkte gewonnen. Gerade für einen deutschen Anbieter ist das bemerkenswert. Während viele nur auf Netflix, Disney+ oder Prime Video schauen, baut sich RTL+ im Hintergrund weiter eine feste Position auf.  

Auch Paramount+ zieht an. Der Dienst landet bei 6 Prozent, gewinnt 1 Prozentpunkt im Quartal und 2 im Jahresvergleich. Man sieht daran ganz gut, wie offen der Markt gerade unterhalb der Spitze geworden ist.  

HBO Max ist neu dabei – und sofort sichtbar

Am meisten sticht natürlich HBO Max heraus. Der Dienst ist am 13. Januar 2026 in Deutschland gestartet, wie damals auch Heise berichtet hat. Laut JustWatch kommt HBO Max schon kurz nach dem Start auf 2 Prozent Marktanteil.  

Für einen kompletten Neustart ist das ein ziemlich guter Einstand. Vor allem, weil so ein Markt nicht darauf wartet, dass noch ein weiterer Anbieter dazukommt. Die Leute haben nicht plötzlich doppelt so viel Zeit zum Streamen. Meist bedeutet ein neuer Dienst einfach: Jemand anderes bekommt weniger Aufmerksamkeit.

Genau das sieht man hier ganz gut. Die Kategorie „Sonstige“ verliert im Quartal 1 Prozentpunkt. Auch WOW bleibt bei 6 Prozent stehen und liegt im Jahresvergleich 1 Prozentpunkt unter dem Vorjahr.  

Was die JustWatch-Zahlen eigentlich messen

Wichtig ist noch der Blick auf die Methodik. JustWatch wertet hier nicht die offiziellen Abozahlen der Anbieter aus. Der Bericht basiert auf mehr als 9 Millionen Nutzerinteraktionen in Deutschland. Dazu gehören laut JustWatch unter anderem Klicks auf Streaming-Angebote, Watchlist-Einträge, Filter und als gesehen markierte Titel. Gemessen wurde vom 1. Januar bis 31. März 2026.  

Ich mag solche Daten gerade deshalb. Sie zeigen nicht, wie viele Menschen theoretisch ein Abo haben, sondern eher, wohin die Aufmerksamkeit gerade wirklich wandert. Das ist nicht perfekt, aber oft näher an der echten Bewegung im Markt als jede Hochglanzzahl aus einem Investorenbericht.

Unterm Strich wird Streaming in Deutschland kleinteiliger

Mein Eindruck nach diesen Zahlen: Die großen Plattformen bleiben groß, aber sie ziehen nicht mehr so mühelos davon wie früher. Netflix und Prime Video führen zwar weiter, geben aber Anteile ab. Apple TV+, Paramount+ und RTL+ nutzen das aus. Und HBO Max ist schneller angekommen, als man es bei einem Neustart vielleicht erwartet hätte.  

Für uns Nutzer heißt das vor allem eins: Der Streaming-Markt wird unübersichtlicher. Gute Serien und Filme liegen längst nicht mehr nur bei den üblichen Verdächtigen. Man muss genauer hinschauen, öfter wechseln und manchmal auch rechnen, welches Abo sich gerade überhaupt noch lohnt. Genau deshalb sind solche Marktberichte inzwischen viel nützlicher, als es auf den ersten Blick wirkt.

Titelbild: KI generiert