Überarbeitet am 9. September 2026.
Ursprünglich habe ich diesen Artikel zur Fahrradsaison 2022 geschrieben. Damals tauchten wieder auffällig viele Shops mit extrem günstigen Fahrrädern auf. Das Problem ist heute längst nicht auf Fahrräder beschränkt: Fakeshops gibt es für Elektronik, Möbel, Kleidung, Werkzeuge und praktisch alles, was sich online verkaufen lässt.
Das Gemeine daran: Viele dieser Seiten sehen inzwischen erstaunlich professionell aus.
Ein HTTPS-Schloss beweist gar nichts
In meinem alten Artikel stand sinngemäß, man könne Fakeshops häufig an einem schlechten SSL-Zertifikat erkennen. Darauf würde ich mich heute überhaupt nicht mehr verlassen. Auch Betrüger können kostenlose gültige TLS-Zertifikate verwenden.
Das Schloss im Browser bedeutet nur, dass die Verbindung zur aufgerufenen Seite verschlüsselt ist. Es sagt nicht, ob der Händler seriös ist.
Warnzeichen 1: Der Preis ist zu gut
Ein einzelnes Schnäppchen beweist noch keinen Betrug. Wenn aber ein begehrtes Produkt überall 900 Euro kostet und ein unbekannter Shop plötzlich 399 Euro verlangt, würde ich genauer hinsehen.
Besonders verdächtig wird es, wenn fast das komplette Sortiment deutlich unter den üblichen Marktpreisen liegt.
Warnzeichen 2: Die Domain passt nicht
Schau dir die Adresse des Shops genau an. Fakeshops verwenden teilweise Domains, die überhaupt nicht zur vermeintlichen Firma passen, Schreibfehler enthalten oder nur entfernt wie der Name eines bekannten Händlers aussehen.
Auch eine sehr junge oder vollkommen unbekannte Domain ist kein Beweis für Betrug, aber zusammen mit anderen Warnzeichen ein Grund zur Vorsicht.
Warnzeichen 3: Das Impressum wirkt nur auf den ersten Blick seriös
Ein vorhandenes Impressum ist ebenfalls keine Garantie. Betrüger kopieren reale Firmendaten oder verwenden erfundene Adressen.
Ich würde stichprobenartig prüfen:
- Existiert das Unternehmen unter dieser Adresse?
- Passt die Telefonnummer zum Unternehmen?
- Ist eine angegebene Handelsregisternummer plausibel?
- Findet man unabhängige Informationen zur Firma?
Aber Vorsicht: Selbst korrekt aussehende Daten können von einem echten Unternehmen gestohlen worden sein.
Warnzeichen 4: Im Shop viele Zahlungsarten, an der Kasse plötzlich nur Vorkasse
Das ist ein Klassiker. Auf der Startseite werden PayPal, Kreditkarte oder Rechnung beworben. Im letzten Bestellschritt funktioniert dann angeblich nur noch die Überweisung.
Genau dann würde ich abbrechen. Eine normale Banküberweisung bietet im Betrugsfall deutlich weniger Möglichkeiten als eine Zahlungsmethode mit Käuferschutz oder Rückbuchungsmöglichkeit.
Bewertungen und Gütesiegel können gefälscht sein
Fünf Sterne direkt im Shop überzeugen mich nicht. Bewertungen lassen sich erfinden oder kopieren. Auch Logos bekannter Gütesiegel können einfach als Bild eingefügt werden.
Wenn ein Siegel echt sein soll, sollte es anklickbar sein und auf die Seite des jeweiligen Siegelanbieters führen, wo der Shop tatsächlich verifiziert werden kann.
Sehr praktisch: Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale
Die Verbraucherzentrale bietet inzwischen einen kostenlosen Fakeshop-Finder. Dort kann man die URL eines verdächtigen Shops eingeben. Das Werkzeug prüft verschiedene technische und inhaltliche Merkmale und gibt eine Einschätzung aus.
Das ist keine hundertprozentige Garantie, aber eine sehr gute zusätzliche Kontrolle:
Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale
Vor der Bestellung kurz suchen
Ich suche bei unbekannten Shops zusätzlich nach dem Namen beziehungsweise der Domain zusammen mit Begriffen wie:
shopname erfahrungen
shopname betrug
shopname fakeshop
Dabei nicht nur den ersten Treffer ansehen. Auch vermeintliche Bewertungsseiten können Teil eines betrügerischen Netzwerks sein.
Was tun, wenn bereits bezahlt wurde?
Wenn du den Verdacht erst nach der Überweisung bekommst:
- sofort die Bank oder den Zahlungsanbieter kontaktieren,
- Screenshots von Shop, Bestellung, Impressum und Zahlungsdaten sichern,
- alle E-Mails und Belege aufbewahren,
- Anzeige bei der Polizei erstatten.
Bei einer Banküberweisung sollte man schnell handeln. Je früher die Bank informiert wird, desto größer ist zumindest die Chance, dass noch etwas gestoppt werden kann.
Fakeshop und Kleinanzeigen-Betrug sind nicht dasselbe – die Grundregel schon
Bei Kleinanzeigen läuft die Masche anders, aber auch dort war in meinem eigenen Fall die vermeintlich günstige Gelegenheit der Köder. Meine Erfahrung habe ich hier aufgeschrieben: Kleinanzeigen-Betrug: Wie ich 300 Euro verlor.
Fazit
Ein modernes Design, HTTPS und ein Impressum reichen nicht aus, um einen Shop als seriös einzustufen. Ich schaue inzwischen auf das Gesamtbild: Preis, Domain, Firmendaten, Zahlungsarten, externe Bewertungen und den Fakeshop-Finder. Wenn mehrere Dinge komisch wirken, lasse ich das vermeintliche Schnäppchen lieber liegen.
Quellen: Verbraucherzentrale: Fakeshops erkennen und Fakeshop-Finder.
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