Überarbeitet am 8. September 2026.
Diesen Artikel möchte ich bewusst nicht in eine sterile Betrugs-Checkliste verwandeln. Der Ausgangspunkt war mein eigener Fehler: Anfang 2022 habe ich auf Kleinanzeigen rund 300 Euro für eine Drohne überwiesen – und die Ware nie bekommen.
Ich wusste eigentlich selbst, dass eine einfache Vorabüberweisung bei unbekannten Verkäufern riskant ist. Das Angebot war aber attraktiv, der Kontakt wirkte plausibel und ich dachte mir: Name, deutsche IBAN, das wird schon passen. Tat es nicht.
Was damals passiert ist
Ich fand eine DJI-Drohne deutlich unter dem damaligen Neupreis. Der Verkäufer wollte ausschließlich eine Banküberweisung. Nach der Zahlung brach der Kontakt ab. Kurz darauf warnte Kleinanzeigen selbst vor verdächtigen Aktivitäten auf dem Konto.
Ich sicherte den Chat und die Anzeige, meldete den Account, informierte meine Bank und erstattete Anzeige bei der Polizei. Der Versuch, die Überweisung zurückzuholen, scheiterte später.
Das war ärgerlich – aber rückblickend vor allem lehrreich.
Meine wichtigste Regel heute: Abholung oder geschützter Zahlungsweg
Kleinanzeigen nennt die persönliche Abholung mit Zahlung bei Übergabe weiterhin als besonders sicheren Weg. Wenn Versand nötig ist, empfiehlt die Plattform ihre Funktion „Sicher bezahlen“.
Auch PayPal kann je nach Transaktion eine Alternative sein – dann aber nur mit Waren und Dienstleistungen, nicht „Freunde und Familie“.
Eine klassische Vorabüberweisung an einen unbekannten Verkäufer hat keinen vergleichbaren Käuferschutz. Ist das Geld bereits ausgeführt, lässt sich eine selbst veranlasste Überweisung häufig nicht einfach zurückholen.
Ein sehr günstiger Preis ist kein Beweis – aber ein Warnsignal
Natürlich darf jemand etwas günstig verkaufen. Wenn ein begehrter Artikel aber deutlich billiger ist als alle vergleichbaren Angebote und gleichzeitig Zeitdruck aufgebaut wird, sollte man besonders kritisch werden.
Kleinanzeigen empfiehlt unter anderem:
- Profil und bisherige Anzeigen prüfen,
- Produktfotos per Rückwärtssuche kontrollieren,
- bei Bedarf ein aktuelles Foto mit einem individuell gewünschten Zettel verlangen,
- auf Veränderungen im Schreibstil achten,
- Ort und Bankdaten plausibilisieren,
- bei ungewöhnlichem Druck den Kauf abbrechen.
Auch ein altes Konto kann gehackt sein
Ein Account mit langer Historie ist kein Freifahrtschein. Betrüger übernehmen echte Benutzerkonten und stellen anschließend plötzlich teure Elektronik, Kameras oder andere begehrte Waren ein.
Deshalb schaue ich nicht nur auf das Alter eines Profils, sondern auch darauf, ob die angebotenen Artikel zur bisherigen Aktivität passen und ob der Schreibstil plötzlich merkwürdig wirkt.
Nicht auf externe Zahlungslinks wechseln
Eine weitere aktuelle Masche trifft Käufer und Verkäufer gleichermaßen: Angebliche Zahlungsbestätigungen führen über E-Mail, SMS, WhatsApp oder QR-Code auf gefälschte Seiten.
Kleinanzeigen weist ausdrücklich darauf hin, dass die Schritte von „Sicher bezahlen“ direkt innerhalb der Plattform stattfinden. Man soll für Zahlungen nicht auf fremde Links, Kurierdienste oder externe Bestätigungsseiten wechseln.
Welche Zahlungsarten ich bei Unbekannten vermeiden würde
- Vorabüberweisung ohne Absicherung,
- PayPal „Freunde und Familie“,
- Gutscheinkarten oder Prepaid-Codes,
- Kryptowährungen,
- Geldtransferdienste ohne Käuferschutz.
Was tun, wenn das Geld bereits weg ist?
Dann zählt Zeit. Ich würde heute so vorgehen:
- Bank oder Zahlungsdienst sofort kontaktieren. Prüfen lassen, ob die Zahlung noch gestoppt oder zurückgerufen werden kann.
- Beweise sichern. Anzeige, Profil, Chatverlauf, Bilder, IBAN, E-Mails und Zahlungsbeleg als Screenshots beziehungsweise Dateien aufbewahren.
- Kleinanzeigen informieren. Anzeige und Account über die Plattform melden.
- Anzeige erstatten. Die Unterlagen der Polizei möglichst vollständig zur Verfügung stellen.
- Zugangsdaten ändern, falls man auf fremden Login- oder Zahlungsseiten Daten eingegeben hat.
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass eine selbst ausgeführte Überweisung nach erfolgter Ausführung oft nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Trotzdem sollte man die Bank sofort kontaktieren – jede Situation ist anders.
Was ich aus meinem Fall mitgenommen habe
Der größte Fehler war nicht, dass ich das Angebot interessant fand. Der Fehler war, dass ich mein eigenes ungutes Gefühl ignoriert habe, weil ich das vermeintliche Schnäppchen haben wollte.
Wenn ein Verkäufer ausschließlich eine riskante Zahlungsart akzeptiert, obwohl sichere Alternativen möglich wären, ist das für mich heute ein Grund auszusteigen. Dann ist mir das Schnäppchen egal.
Mehr zu Betrugsmaschen
Eine andere Variante sind angebliche Erbschaften, Geldgeschenke und Gewinne. Dazu habe ich ebenfalls einen älteren Artikel aktualisiert: Vorschussbetrug in sozialen Medien erkennen.
Fazit
Die 300 Euro von damals waren Lehrgeld. Der persönliche Kontakt, ein deutscher Name oder eine deutsche IBAN reichen nicht aus, um einen unbekannten Verkäufer zu verifizieren. Abholen und vor Ort zahlen ist am einfachsten. Bei Versand nutze ich lieber einen Zahlungsweg mit echtem Käuferschutz – oder lasse das Angebot liegen.
Quellen: Kleinanzeigen: Sicher handeln und Verbraucherzentrale: Betrug mit Kleinanzeigen.
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