Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich hier im Blog einen Artikel darüber geschrieben, wie man ganze Artikel lesen kann, obwohl diese hinter einer Paywall liegen.

Damals war das Ganze noch erstaunlich einfach. Dienste wie 12ft.io oder clearthis.page aufrufen, die Adresse des Artikels einfügen und mit etwas Glück erschien der komplette Text. Für den Browser gab es zusätzlich diverse Erweiterungen, die bei vielen Nachrichtenseiten ebenfalls funktioniert haben.

Der Artikel ist inzwischen ziemlich alt – wird aber interessanterweise noch immer regelmäßig über Suchmaschinen gefunden.

Nur gibt es dabei mittlerweile ein Problem:

Ein großer Teil der damaligen Tipps funktioniert 2026 schlicht nicht mehr.

Also wird es Zeit für ein Update.

Und statt jetzt einfach die nächste Liste mit irgendwelchen dubiosen „Paywall Removern“ zusammenzustellen, möchte ich diesmal einen etwas anderen Weg gehen. Denn es gibt tatsächlich einige völlig legale Möglichkeiten, Zeitungen, Zeitschriften und sogar wissenschaftliche Artikel zu lesen, ohne für jede einzelne Webseite ein eigenes Abo abschließen zu müssen.

Was ist eigentlich aus 12ft.io geworden?

12ft.io dürfte einer der bekanntesten Dienste dieser Art gewesen sein.

Das Prinzip war relativ simpel: Vereinfacht gesagt rief der Dienst eine Webseite so ab, dass bestimmte JavaScript-Funktionen nicht ausgeführt wurden. Bei einigen älteren Paywalls lag der komplette Artikel nämlich bereits im Browser und wurde lediglich nachträglich verdeckt.

Das funktionierte erstaunlich häufig.

Aber eben nicht überall.

Schon damals hatten einige große Nachrichtenseiten entsprechende Gegenmaßnahmen eingebaut. Inzwischen funktionieren moderne Paywalls technisch häufig ganz anders.

Und 12ft.io selbst ist inzwischen ebenfalls Geschichte. Nach Angaben der News/Media Alliance wurde der Dienst im Juli 2025 durch seinen Hoster gesperrt. (newsmediaalliance.org)

Mein alter Tipp aus dem Jahr 2022 ist damit heute also zumindest in dieser Form nicht mehr besonders hilfreich.

a pay me sticker on the side of a building
Foto von Claudio Schwarz auf Unsplash

Warum funktionieren die alten Tricks überhaupt nicht mehr?

Dafür muss man kurz verstehen, dass es technisch sehr unterschiedliche Arten von Paywalls gibt.

Bei einer einfachen, clientseitigen Paywall wird der komplette Artikel zunächst an den Browser geschickt.

Er ist also eigentlich schon da.

JavaScript oder CSS sorgt anschließend dafür, dass beispielsweise nach dem dritten Absatz ein Fenster erscheint:

„Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.“

Solche Systeme waren naturgemäß relativ leicht auszutricksen. Reader-Modus, deaktiviertes JavaScript oder spezielle Erweiterungen konnten teilweise einfach die störende Ebene entfernen.

Bei einer serverseitigen Paywall sieht die Sache dagegen komplett anders aus.

Hier prüft bereits der Server, ob ich angemeldet bin und ein entsprechendes Abo besitze. Bin ich das nicht, werden beispielsweise lediglich Überschrift, Vorspann und die ersten Absätze übertragen.

Der restliche Artikel kommt überhaupt nicht auf meinem Gerät an.

Und etwas, das mein Browser niemals bekommen hat, kann auch keine Erweiterung wieder sichtbar machen.

Genau deshalb funktionieren viele Tricks von früher heute nicht mehr zuverlässig. (gpp.io)

Aber ich möchte doch nur diesen einen Artikel lesen…

Und genau das ist wahrscheinlich der Grund, warum mein alter Beitrag noch immer gefunden wird.

Mir geht es auch immer so bei einzelnen interessanten Artikeln, aber auch bei Instagram Beiträgen

Ich möchte nicht grundsätzlich kostenlos sämtliche Inhalte einer Zeitung lesen. Gute journalistische Arbeit kostet Geld und muss irgendwie finanziert werden.

Aber manchmal stolpert man über einen interessanten Artikel einer Zeitung, die man normalerweise überhaupt nicht liest.

Für einen einzigen Artikel gleich ein weiteres Monatsabo abzuschließen, ist dann natürlich wenig attraktiv.

Also habe ich mir einmal angesehen, welche Alternativen es 2026 gibt.

Onleihe oder Bibliothek könnten die Lösung sein

Und dabei bin ich wieder bei etwas gelandet, das man bei solchen Überlegungen erstaunlich schnell vergisst:

Der gute alte Bibliotheksausweis

Ja, wirklich.

Während im Internet ständig nach dem nächsten Paywall-Bypass gesucht wird, haben viele Bibliotheken längst ganz offiziell Zugänge zu Zeitungen und Zeitschriften.

Und gerade hier in Hessen ist das Angebot inzwischen ziemlich interessant.

Über die eBibliotheken Hessen gibt es beispielsweise Zugriff auf PressReader.

PressReader bietet laut eBibliotheken Hessen rund 7.000 aktuelle Zeitungen und Zeitschriften aus etwa 60 Ländern. Die Anmeldung erfolgt bei teilnehmenden Bibliotheken mit Bibliotheksausweisnummer und Passwort über die Munzinger-Plattform.

Das ist natürlich nicht dasselbe wie jede beliebige Plus-Seite einer Zeitung im Browser freizuschalten.

Aber wenn ich regelmäßig Zeitungen oder Magazine lesen möchte, ist das eine ziemlich komfortable und vor allem saubere Alternative.

Noch interessanter: GENIOS eBIB

Das kannte ich lange ebenfalls nicht wirklich auf dem Schirm.

GENIOS eBIB ist eine Rechercheplattform speziell für öffentliche Bibliotheken.

Über die hessischen Bibliotheken stehen dort aktuell Inhalte aus über 420 Tages- und Wochenzeitungen zur Verfügung. Neben aktuellen Artikeln können auch ältere Pressearchive durchsucht werden. (eBibliotheken Hessen)

Gerade die Suche finde ich dabei interessant.

Wenn ich beispielsweise eine bestimmte Meldung oder ein bestimmtes Thema suche, muss ich nicht zwangsläufig genau die Webseite öffnen, auf der Google mir gerade einen Plus-Artikel angezeigt hat.

Stattdessen kann ich in GENIOS nach dem Thema suchen und bekomme möglicherweise denselben oder einen vergleichbaren Artikel aus einer Zeitung, auf die ich über meine Bibliothek Zugriff habe.

Bei den hessischen Bibliotheken gibt es nach dem Login außerdem einen Tagespass, mit dem laut eBibliotheken Hessen ungefähr 20 bis 30 Artikel im Vollzugriff gelesen werden können.

Das finde ich ehrlich gesagt wesentlich interessanter als irgendeinen Paywall-Remover, bei dem ich nie weiß, ob er morgen überhaupt noch existiert.

Interessant ist übrigens auch, dass Hessen den Zugang zu GENIOS eBIB seit 2025 zentral fördert. Dadurch können auch kleinere teilnehmende Bibliotheken Zugriff darauf anbieten.

Und dann gibt es noch die Onleihe

Die Onleihe kennen wahrscheinlich deutlich mehr Leute.

Dort denkt man zuerst an E-Books und Hörbücher. Tatsächlich gibt es darüber je nach Bibliothek aber ebenfalls elektronische Zeitungen und Magazine.

In Hessen läuft das beispielsweise über die Onleihe Hessen.

Wer sowieso einen Bibliotheksausweis besitzt, sollte deshalb wirklich einmal nachsehen, welche digitalen Angebote damit eigentlich verbunden sind.

Ich glaube, viele nutzen ihren Ausweis ausschließlich für Bücher und wissen überhaupt nicht, was inzwischen alles online damit möglich ist.

Bei wissenschaftlichen Artikeln: Open Access suchen

Eine ganz andere Baustelle sind wissenschaftliche Veröffentlichungen.

Auch dort landet man bei einer Google-Suche ziemlich schnell vor einer Bezahlschranke.

Teilweise werden für einen einzelnen Artikel Beträge verlangt, bei denen ich persönlich dann doch kurz schlucken muss.

Aber auch hier bedeutet „beim Verlag kostenpflichtig“ nicht automatisch, dass es nirgendwo eine frei zugängliche Version gibt.

Wissenschaftler dürfen Veröffentlichungen je nach Verlag und Lizenz beispielsweise zusätzlich über Universitätsserver oder sogenannte Repositorien bereitstellen.

Noch eine Möglichkeit Unpaywall

Genau dabei hilft Unpaywall.

Die Browser-Erweiterung sucht automatisch nach legal frei verfügbaren Versionen wissenschaftlicher Artikel. Nach Angaben des Projekts stammen die gefundenen Volltexte unter anderem von Universitäts- und Regierungsservern und wurden dort mit entsprechender Erlaubnis bereitgestellt.

Das ist für mich ein wichtiger Unterschied zu irgendwelchen Seiten, die einfach fremde Artikel kopieren.

Unpaywall umgeht die Paywall nicht.

Es sucht nach einer Version, die bereits legal frei verfügbar ist.

Einfach nach derselben Meldung suchen

Das klingt banal, funktioniert aber erstaunlich häufig.

Viele Nachrichten basieren auf Pressemitteilungen, Agenturmeldungen oder öffentlichen Bekanntmachungen.

Wenn Zeitung A daraus einen Plus-Artikel macht, bedeutet das nicht automatisch, dass dieselbe Information ausschließlich dort verfügbar ist.

Ich kopiere deshalb mittlerweile häufiger nicht die komplette Überschrift, sondern suche nach den wichtigsten Namen oder Begriffen aus der Meldung.

Oft findet man dann:

  • die ursprüngliche Pressemitteilung,

  • einen Bericht einer anderen Zeitung,

  • eine Veröffentlichung einer Behörde,

  • einen Beitrag eines öffentlich-rechtlichen Senders,

  • oder eine andere frei zugängliche Quelle zum gleichen Thema.

Natürlich ersetzt das nicht immer den ursprünglichen Artikel.

Gerade bei exklusiven Recherchen, Kommentaren oder Interviews funktioniert dieser Weg nicht.

Aber wenn ich lediglich wissen möchte, was passiert ist, reicht eine zweite seriöse Quelle häufig vollkommen aus.

Und was ist mit Browser-Reader, JavaScript abschalten und Erweiterungen?

Solche Dinge existieren natürlich weiterhin.

Bei manchen Webseiten funktionieren sie sogar noch.

Das liegt meistens daran, dass der vollständige Artikel bereits an den Browser übertragen wurde und lediglich die Darstellung eingeschränkt wird.

Bei einer echten serverseitigen Paywall bringen diese Tricks dagegen nichts – der Text ist schlicht nicht vorhanden.

Ich würde daraus 2026 deshalb keine allgemeine Empfehlung mehr machen.

Noch dazu verschwinden entsprechende Erweiterungen und Webseiten regelmäßig, funktionieren plötzlich nicht mehr oder ändern ihren Betreiber.

Genau deshalb möchte ich meinen alten Artikel auch nicht einfach mit einer neuen Liste solcher Dienste aktualisieren.

In zwei Jahren wäre vermutlich wieder die Hälfte davon verschwunden.

Ein Abo kann trotzdem die richtige Lösung sein

Auch das gehört für mich zu diesem Thema.

Wenn ich eine Zeitung regelmäßig lese, finde ich ein Abo vollkommen legitim.

Journalisten, Fotografen, Redaktionen und die gesamte technische Infrastruktur dahinter kosten Geld.

Das Problem beginnt für mich eher dort, wo ich zehn verschiedene Nachrichtenseiten interessant finde und theoretisch zehn verschiedene Abos benötigen würde.

Genau dafür finde ich Angebote wie PressReader, GENIOS oder Bibliothekszugänge spannend.

Ich zahle beziehungsweise finanziere meinen Zugang über die Bibliothek und bekomme dafür Zugriff auf eine größere Auswahl unterschiedlicher Quellen.

Das ist für mich wesentlich sinnvoller, als ständig hinter dem nächsten Paywall-Trick herzujagen.

Mein Fazit nach vier Jahren

Mein alter Paywall-Artikel aus dem Jahr 2022 zeigt eigentlich ziemlich gut, wie schnell sich das Internet verändert.

Damals konnte ich zwei Webseiten nennen, eine URL hineinkopieren und hatte damit bei erstaunlich vielen Seiten Erfolg.

2026 funktioniert das so nicht mehr zuverlässig.

Und vielleicht ist das gar nicht schlecht.

Denn bei meiner Suche nach Alternativen habe ich festgestellt, dass es inzwischen ziemlich gute offizielle Zugangswege gibt, die ich damals überhaupt nicht berücksichtigt hatte.

Vor allem Bibliotheken sind dabei für mich völlig unterschätzt.

PressReader, GENIOS eBIB, Onleihe und weitere digitale Angebote bekommt man je nach Bibliothek teilweise mit einem einzigen Bibliotheksausweis.

Bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen kommen Open-Access-Angebote wie Unpaywall hinzu.

Und manchmal genügt es bereits, die gleiche Nachricht bei einer anderen Quelle zu suchen.

Damit werde ich sicherlich nicht jede Paywall im Internet los.

Aber darum geht es mir inzwischen auch nicht mehr.

Ich möchte Informationen lesen können, ohne für jede einzelne Plattform noch ein zusätzliches Konto und ein weiteres Abo anzulegen.

Und genau darum soll es künftig auch häufiger hier im Blog gehen.

Internet ohne Plattformzwang.

Nicht zwingend alles selbst hosten und nicht grundsätzlich gegen kommerzielle Dienste.

Sondern schauen, welche offenen, unabhängigen oder einfach vernünftigeren Alternativen es gibt.

Der alte Paywall-Artikel war dafür rückblickend eigentlich ein ziemlich passender Ausgangspunkt.