Di.. Feb. 10th, 2026

Mein Selbstversuch mit Tempomat, Serpentinen und der frustrierenden Bewertungslogik

Ich habe jetzt seit ca. 2 Jahren, genau seitdem ich mein neues Auto habe, die “Fahr und Spar” Option aktiv im Vertrag. Nun frustriert mich die kleine Box im Auto. Egal wie gut ich fahre, immer wieder negative Bewertungen. Jetzt möchte ich das Ganze etwas auseinandernehmen und erklären, was mich so nervt.

1. Das Versprechen: Bis zu 30 % Rabatt durch sicheres Fahren

Die ADAC Autoversicherung wirbt mit „Fahr und Spar“: Wer umsichtig fährt, bekommt bis zu 30 % Rabatt auf die Kfz-Versicherung. Klingt fair – schließlich sollte sich gutes Fahrverhalten auszahlen. Die Realität sieht aber anders aus, wenn man nicht nur auf geraden Autobahnen unterwegs ist.

Das System nutzt eine App und eine kleine Blackbox („DriveDot“), die per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden wird. Sie zeichnet Beschleunigung, Bremsverhalten, Geschwindigkeit und Lenkmanöver auf. Je besser der „Score“ pro Fahrt, desto höher die Chance auf eine Goldmedaille – und damit auf den maximalen Rabatt am Jahresende.

2. Wie die Blackbox wirklich funktioniert – und was sie misst

Die Blackbox ist kein Unfall-Datenrecorder, sondern ein ständiger Beobachter. Sie bewertet:

  • Geschwindigkeit (zu schnell? Punkteabzug)
  • Beschleunigung (zu abrupt? Minuspunkte)
  • Bremsverhalten (zu hart? Schlechtere Note)
  • Lenkmanöver (zu schnell in Kurven? Abwertung)

Die App gibt nach jeder Fahrt Feedback. Theoretisch kann jeder seinen Fahrstil anpassen – doch in der Praxis scheitert das oft an der Realität der Straßen.

3. Mein Selbstversuch: Mit Tempomat und 30 km/h durch die Serpentinen

Gestern Morgen habe ich es auf die Spitze getrieben: Ich fuhr die Umleitungsstrecke mit Serpentinen strikt mit Tempomat bei 30 km/h – also genau der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Kein Gasgeben, kein abruptes Bremsen, keine riskanten Überholmanöver. Das Ergebnis? Eine Fahrbewertung von 83 Punkten.

An anderen Tagen, auf normalen Strecken ohne enge Kurven, erreiche ich regelmäßig 95 bis 100 Punkte. Der Unterschied? Die Serpentinen. Die App straft mein Lenkverhalten ab, obwohl ich mich an alle Regeln halte. Die Begründung: „Zu schnelle Lenkbewegungen“ – dabei fahre ich einfach nur die Kurven, die die Straße nun mal hat.

Ein Tag wo alles gut war

Das zeigt: Die Blackbox bewertet nicht nur das Wie, sondern auch das Wo. Wer auf geraden Straßen fährt, hat klare Vorteile. Wer wie ich auf Umleitungen mit engen Kurven angewiesen ist, wird systematisch benachteiligt.

4. Das Problem: Warum die App Kurvenfahren bestraft – selbst bei Vorschrift

Die Logik der App ist einfach: Je gleichmäßiger die Fahrt, desto besser die Bewertung. Doch was ist mit Strecken, die von Natur aus kurvig sind? Die App unterscheidet nicht zwischen riskantem Schlangenlinienfahren und vorschriftsmäßigem Kurvennehmen. Für sie zählt nur: Lenkradbewegung = potenzielles Risiko.

Das führt zu absurden Situationen:

  • Auf der Autobahn oder Landstraße: 95–100 Punkte, weil alles geradeaus geht.
  • In der Stadt oder auf Serpentinen: 80–85 Punkte, selbst wenn man sich an alle Regeln hält.

Fazit: Wer nicht auf „idealen“ Strecken fährt, hat kaum eine Chance auf Goldmedaillen – und damit auf den vollen Rabatt.

Ich hatte dies bezüglich auch mal den Support angeschrieben. Als Antwort auf meine Frage wieso die schlechten Bewertungen zustande kommen bekam ich diese Info.

Um eine bestmögliche Fahrtwertung zu erhalten, ist es wichtig, dass Sie Ihr Smartphone richtig im Fahrzeug platzieren. Wir empfehlen, es in der Mittelkonsole oder in einer Halterung zu fixieren, damit eine zuverlässige GPS Verbindung vorliegt.

Bitte überprüfen Sie zusätzlich, dass die Standorteinstellung vom Smartphone auf die höchste Genauigkeit eingestellt ist.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass wir keine Einzelevents oder Fahrten löschen können.

Bezüglich dem Fahrverhalten es unter dem Artikel von iPhone Ticker genügend Kommentare, die ebenfalls negativ Bewertungen bei normaler Bremsung oder Beschleunigung berichten.

5. Für wen lohnt sich Fahr und Spar? Eine ehrliche Einschätzung

ADAC Fahr und Spar kann sich lohnen, aber nur unter sehr spezifischen Bedingungen:

  • Du fährst meist auf geraden, gut ausgebauten Straßen (Autobahn, breite Landstraßen).
  • Du akzeptierst, dass die App Streckenverlauf nicht berücksichtigt – und dich für Kurven bestraft, die du nicht vermeiden kannst.
  • Du kannst deinen Fahrstil extrem anpassen (Tempomat, sanftes Lenken, keine spontanen Bremsungen).

Für alle anderen – besonders Pendler mit schwierigen Strecken – ist der Aufwand oft größer als der Nutzen. Ich werde das Programm beenden. Die 80 Euro Ersparnis sind es nicht wert, ständig gegen ein System zu kämpfen, das meine realen Fahrbedingungen ignoriert.

Quellen:

Frage an dich: Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder schaffst du es trotzdem, mit der App Goldmedaillen zu sammeln? Wie gehst du mit schwierigen Strecken um?

Bylars

Ich bin 44 Jahre alt und blogge seit mehreren Jahren. Beruflich bin ich Fachangestellter für Bäderbetriebe. Lebe und liebe diesen Beruf in und rundum Fulda. Habe eine Partnerin und liebe genauso meinen Dackel.

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