Solche Reports landen bei mir gerne im Postfach. Ich lese sie, denke mir „Da musst du noch etwas zu schreiben“ und dann ist die Mail erst einmal weg. Dieses Mal also mit etwas Verspätung, aber die Zahlen sind durchaus interessant.
JustWatch hat ausgewertet, wie sich das Interesse an den Streamingdiensten in Deutschland im zweiten Quartal 2026 entwickelt hat. Ganz vorne hat sich erst einmal wenig verändert: Netflix und Amazon Prime Video liegen beide bei 24 Prozent.
Trotzdem steckt da mehr Bewegung drin, als es auf den ersten Blick aussieht.
Netflix und Prime Video teilen sich die Spitze
Amazon Prime Video hatte in Deutschland lange einen recht deutlichen Vorsprung. Davon ist inzwischen nicht mehr viel übrig.
Im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 hat Prime Video vier Prozentpunkte verloren. Netflix ging im gleichen Zeitraum um einen Prozentpunkt zurück. Dadurch stehen beide Anbieter nun bei jeweils 24 Prozent.
Um es schlichtweg zu sagen: Netflix hat Amazon nicht unbedingt durch starkes Wachstum eingeholt. Amazon ist vielmehr deutlicher zurückgefallen.
Warum das so ist, lässt sich aus den Zahlen allein nicht ablesen. Möglich sind mehrere Gründe. Die Auswahl verteilt sich inzwischen auf immer mehr Dienste, Nutzer wechseln häufiger zwischen Abonnements und mittlerweile gibt es kaum noch einen Anbieter, bei dem dauerhaft alles Interessante läuft.
Als ich mir im April die damals aktuellen JustWatch-Charts für Filme und Serien angesehen habe, war diese Verteilung schon gut zu erkennen. Bei Serien springen viele Zuschauer gezielt zwischen verschiedenen Plattformen hin und her.
HBO Max kommt überraschend schnell auf drei Prozent
Besonders auffällig ist HBO Max. Der Dienst ist erst am 13. Januar 2026 offiziell in Deutschland gestartet und kommt im zweiten Quartal bereits auf drei Prozent. Gegenüber dem ersten Quartal ist noch einmal ein Prozentpunkt hinzugekommen. (Pressroom)
Drei Prozent klingen neben Netflix und Prime Video natürlich erst einmal überschaubar. Für einen neuen Dienst ist das nach wenigen Monaten aber ordentlich.
HBO Max profitiert sicherlich davon, dass viele bekannte Produktionen bereits einen Namen haben. Serien von HBO, Warner-Filme und Marken wie Harry Potter, Game of Thrones oder DC müssen nicht komplett neu erklärt werden. Die Leute wissen in vielen Fällen schon, was sie dort suchen.
Ob dieses Wachstum so weitergeht, ist eine andere Frage. Der Start sorgt automatisch für Neugier. Danach muss ein Dienst zeigen, ob genug neue Inhalte kommen, damit die Abonnenten auch bleiben.
Apple TV arbeitet sich langsam nach vorne
Apple TV liegt inzwischen bei neun Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von einem Prozentpunkt. Im zweiten Quartal selbst blieb der Anteil allerdings stabil.
Apple macht das etwas anders als Netflix oder Amazon. Die Auswahl ist kleiner, dafür setzt das Unternehmen stärker auf eigene Serien und Filme. Das scheint langsam zu funktionieren.
Gerade einzelne erfolgreiche Serien können einen Dienst schnell nach vorne bringen. Wie stark solche Aufmerksamkeit wirken kann, hatte ich bereits im Beitrag darüber beschrieben, warum Emmy-Nominierungen die Streaming-Zahlen teilweise kräftig ansteigen lassen.
Apple TV wird Netflix vermutlich nicht plötzlich überholen. Der Dienst hat sich aber inzwischen einen festen Platz im Mittelfeld erarbeitet und ist nicht mehr nur das Abo, das irgendwo kostenlos bei einem neuen Apple-Gerät dabei war.
Die Marktanteile im Überblick

Laut der JustWatch-Auswertung sieht die Verteilung für das zweite Quartal 2026 so aus:
- Netflix: 24 Prozent
- Amazon Prime Video: 24 Prozent
- Disney+: 18 Prozent
- Apple TV: 9 Prozent
- WOW beziehungsweise Sky Go: 7 Prozent
- Paramount+: 5 Prozent
- RTL+: 4 Prozent
- HBO Max: 3 Prozent
- Joyn+: 2 Prozent
- MagentaTV: 2 Prozent
- Andere Anbieter: 2 Prozent
WOW beziehungsweise Sky Go konnte im Vergleich zum vorherigen Quartal einen Prozentpunkt zulegen. Paramount+ und RTL+ verloren dagegen jeweils einen Punkt. Joyn+ und MagentaTV blieben bei zwei Prozent. (KINOFANS.com)
Gerade MagentaTV ist ein etwas spezieller Fall, weil dort Streaming, klassisches Fernsehen und Telekom-Angebote miteinander vermischt werden. Mit der Technik läuft ebenfalls nicht immer alles rund, wie ich bei der damaligen Störung von MagentaTV nach einem Update selbst feststellen durfte.
Was mit „Marktanteil“ eigentlich gemeint ist
Bei den Zahlen sollte man einen Punkt nicht vergessen: Es handelt sich nicht um offiziell veröffentlichte Abonnentenzahlen der Anbieter.
JustWatch berechnet die Anteile anhand der Aktivitäten auf seiner Website und in seinen Apps. Dazu gehören beispielsweise Klicks auf einen Streaminganbieter, Einträge auf der Watchlist, gesetzte Filter und als gesehen markierte Filme oder Serien.
Für die Auswertung des zweiten Quartals wurden rund sieben Millionen Streaming-Interaktionen aus Deutschland zwischen April und Juni 2026 berücksichtigt. (Appgefahren)
Die Zahlen zeigen also vor allem, wie stark das Interesse der JustWatch-Nutzer an den einzelnen Plattformen war. Sie sind ein guter Hinweis auf die Entwicklung des Marktes, aber keine vollständige Zählung aller zahlenden Kunden.
Das gilt auch für die monatlichen Film- und Seriencharts. In meinem älteren Überblick zu den beliebtesten Filmen und Serien im Februar 2025 basierten die Platzierungen ebenfalls auf Klicks, Watchlist-Einträgen und weiteren Interaktionen.
Meine Meinung dazu
Für mich zeigen die Zahlen vor allem, wie voll der Streaming-Markt inzwischen ist.
Netflix und Prime Video liegen noch klar vorne. Dahinter gibt es aber nicht mehr nur Disney+, sondern mehrere Dienste, die sich jeweils ein Stück vom Kuchen holen. Apple TV wächst langsam, HBO Max kommt neu dazu und selbst kleinere Anbieter haben ihre feste Zielgruppe.
Für uns Zuschauer bedeutet das allerdings nicht automatisch mehr Komfort. Gute Filme und Serien verteilen sich auf immer mehr Abonnements. Wer alles sehen möchte, zahlt irgendwann wieder eine Summe, bei der man früher über das teure Kabelfernsehen gemeckert hätte.
Ich mache es mittlerweile eher so, dass nicht jeder Dienst dauerhaft laufen muss. Gibt es dort gerade nichts, was ich wirklich sehen möchte, wird eben gekündigt oder pausiert. Einen Monat später kann man wieder wechseln.
Das ist zwar etwas mehr Aufwand, aber immer noch besser, als fünf oder sechs Abos einfach nebenher weiterzubezahlen. Die Anbieter wollen schließlich unser Geld. Da dürfen sie sich ruhig ein bisschen Mühe geben.
Quellen
JustWatch Streaming Charts für Filme und Serien
JustWatch
https://www.justwatch.com/de/streaming-charts
Streaming-Charts: HBO Max setzt Wachstum im deutschen Markt fort
appgefahren.de
https://www.appgefahren.de/streaming-charts-hbo-max-setzt-wachstum-im-deutschen-markt-fort-402132.html
Netflix und Prime Video gleichauf, HBO Max startet gut: Der Streaming-Kampf wird wieder spannend
mobiFlip
https://www.mobiflip.de/netflix-und-prime-video-gleichauf-hbo-max-startet-gut-der-streaming-kampf-wird-wieder-spannend/
HBO Max Nears Full Availability Across Europe With January 13 Launches In Key Markets Including Germany And Italy
Warner Bros. Discovery Pressroom
https://press.wbd.com/us/media-release/hbo-max/hbo-max-nears-full-availability-across-europe-january-13-launches-key-markets
Als mögliche Überschrift für Google Discover funktioniert auch: „Netflix und Prime Video verlieren: HBO Max wächst in Deutschland schnell“.
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