Ich gebe ja selten meinen Senf zu Sportthemen ab. Bin vielleicht einer der 83 Millionen Fussballtrainer, aber diesmal muss einfach mal Luft raus. Deutschland ist bei der WM 2026 raus. Im Sechzehntelfinale. Gegen Paraguay. Nach einem Spiel, das sich über weite Strecken eher wie eine Geduldsprobe angefühlt hat als wie ein K.o.-Spiel einer Mannschaft, die ernsthaft weit kommen will.
Am Ende stand es nach 120 Minuten 1:1, danach verlor Deutschland mit 3:4 im Elfmeterschießen.
Paraguay machte genau das, was Paraguay machen musste
Man muss Paraguay gar nicht schöner reden, als es war. Die haben sich tief reingestellt, leidenschaftlich verteidigt und Deutschland auflaufen lassen. Das war nicht besonders spektakulär, aber es war konsequent. Und am Ende eben erfolgreich.
Schon vor dem Spiel war klar, dass Paraguay unangenehm werden kann. Die Sportschau hatte vor der Partie darauf hingewiesen, dass Paraguay unter Trainer Gustavo Alfaro extrem viel über Defensive, Körperlichkeit und Kompaktheit kommt. In der WM-Qualifikation hatte Paraguay sogar Brasilien und Argentinien geschlagen und in 18 Qualifikationsspielen nur zehn Gegentore kassiert.
Genau das hat man dann auch gesehen. Deutschland hatte viel Ball, aber wenig Idee. Paraguay stand eng, Deutschland spielte außen herum, wieder zurück, wieder quer, wieder ohne Tempo. Das war über weite Strecken einfach zäh.
Deutschland ohne Plan gegen einen tiefen Block
Natürlich kann man sagen: Paraguay hat gemauert. Stimmt. Aber genau darauf muss eine Top-Mannschaft vorbereitet sein. Wenn ein Gegner tief steht, brauchst du Tempo, Bewegung, saubere Flanken, Überraschungsmomente und Spieler, die auch mal zwischen den Linien auftauchen. Bei Deutschland sah vieles nach Pflichtprogramm aus. Das gleiche Gefühl hatte ich auch in der Vorrunde, gerade bei dem letzten Spiel fühlte es sich für mich so anders ab die Mannschaft den Gegner nicht ernst nimmt und alles auf die leichte Schulter nimmt. Hier war nicht der Rasen schuld, war ja auch so ein Thema im Medien.
Die Sportschau schrieb im Liveticker schon in der ersten Halbzeit sinngemäß, Deutschlands Spiel sei zu umständlich, zu unpräzise, ohne Überraschungsmoment und ohne den nötigen Speed. Das trifft es ziemlich gut.
Paraguay ging in der 42. Minute durch Julio Enciso per Kopf in Führung. Vorausgegangen war ein Angriff nach einem Eckball, bei dem Deutschland den Ball nicht sauber klären konnte. Matías Galarza durfte nahezu ohne Druck flanken, Enciso traf am Elfmeterpunkt.
Kai Havertz glich in der 54. Minute per Kopf nach einer Flanke von Florian Wirtz aus. Das war einer der wenigen Momente, in denen Deutschland mal wirklich klar und zielstrebig wirkte.
Der VAR-Moment und dann das große Zittern
In der Verlängerung dachte ich kurz: Jetzt ist der Knoten geplatzt. Jonathan Tah köpfte nach einer Ecke zum vermeintlichen 2:1 ein. Doch der Treffer wurde nach VAR-Eingriff wegen eines Fouls von Waldemar Anton an Paraguays Torwart Orlando Gill zurückgenommen. Auch wenn ich kein Schiedsrichter bin, die Entscheidung konnte ich absolut nicht nachvollziehen.
Und dann ging es ins Elfmeterschießen. Da wurde es richtig bitter. Havertz scheiterte direkt mit dem ersten deutschen Versuch an Gill. Später hielt Gill auch gegen Nick Woltemade. Jonathan Tah jagte seinen Elfmeter über das Tor. Drei verschossene Elfmeter in einem K.o.-Spiel – da muss man dann auch ehrlich sein: So kommst du bei einer WM nicht weiter.
Manuel Neuer hielt zwar noch gegen Fabián Balbuena, aber das reichte nicht mehr. Der Guardian berichtete live, dass José Canale den entscheidenden Elfmeter für Paraguay verwandelte.
Es passt leider in das Bild der letzten Jahre
Und genau das nervt vielleicht am meisten. Es ist nicht nur dieses eine Spiel. Es ist dieses Gefühl, dass Deutschland seit Jahren bei großen Turnieren immer wieder an denselben Dingen scheitert: zu wenig Tempo, zu wenig Klarheit, zu wenig Gier in den entscheidenden Momenten.
Seit dem WM-Titel 2014 wirkt der deutsche Fußball bei Welt- und Europameisterschaften oft wie eine Mannschaft, die zwar viele gute Einzelspieler hat, aber selten wie ein Team aussieht, das einen Gegner wirklich erdrücken kann. Mal fehlt die defensive Stabilität, mal die offensive Idee, mal die Nerven.
Natürlich kann man nicht jedes Turnier gewinnen. Aber für einen viermaligen Weltmeister ist ein Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay einfach zu wenig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Deutschland dieses Spiel eigentlich kontrollieren müsste.
Paraguay verdient weiter, Deutschland verdient Diskussionen
Völlig verdient ist Paraguay eine Runde weiter trifft nun auf Frankreich oder Kanada, das hört sich heute Abend um 23:00 Uhr entscheiden. Ich bin gespannt, wie weit sie es schaffen.
Paraguay erreichte 2010 das WM-Viertelfinale, damals war erst gegen Spanien Schluss.
Trotzdem ist dieser Sieg für Paraguay riesig. Sie haben ihren Plan durchgezogen. Sie haben gelitten, verteidigt, auf den einen Moment gewartet und im Elfmeterschießen die besseren Nerven gehabt.
Deutschland dagegen muss sich fragen, warum aus so viel Talent so wenig Wirkung entsteht. Bis zur nächsten EM sind es zwei Jahre. Zeit genug wäre da. Aber es muss sich etwas ändern. Nicht nur ein bisschen Kosmetik, nicht wieder nur neue Sprüche vom Umbruch. Sondern wirklich die Frage: Wie will diese Mannschaft eigentlich spielen, wenn der Gegner nicht brav mitmacht?
Denn genau daran ist Deutschland heute gescheitert.
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