Messenger-Interoperabilität in der EU 2026: WhatsApp öffnet sich für andere Dienste

Überarbeitet am 9. September 2026.

Als ich diesen Artikel 2022 geschrieben habe, war die Messenger-Interoperabilität noch Teil eines EU-Gesetzesentwurfs. Damals klang es fast so, als könnten irgendwann WhatsApp, Signal, Telegram, iMessage und Matrix einfach untereinander Nachrichten austauschen.

Heute wissen wir genauer, was daraus geworden ist. Der Digital Markets Act (DMA) ist in Kraft, und Artikel 7 verpflichtet bestimmte große Messenger-Gatekeeper dazu, sich auf Anfrage für andere Messenger-Anbieter zu öffnen.

Welche Messenger sind konkret betroffen?

Für die spezielle Messenger-Interoperabilität nach Artikel 7 wurden bislang WhatsApp und Messenger von Meta als relevante Gatekeeper-Dienste eingestuft.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jeder Messenger in Europa plötzlich mit jedem anderen kommunizieren muss. Ein anderer Anbieter muss die Interoperabilität mit dem Gatekeeper beantragen und die technischen Voraussetzungen umsetzen.

Was funktioniert bereits?

Die EU-Kommission teilt die Verpflichtung in mehrere Stufen auf.

  • Phase 1: Einzelchats mit Text, Bildern, Sprachnachrichten, Videos und Dateien.
  • Phase 2: entsprechende Funktionen in Gruppenchats.
  • Phase 3: Sprach- und Videoanrufe.

Für WhatsApp galt die erste Frist bereits ab März 2024. Gruppenchat-Interoperabilität folgte im September 2025. Sprach- und Videoanrufe sind nach dem aktuellen Zeitplan bis September 2027 vorgesehen.

Die ersten Drittanbieter sind tatsächlich gestartet

Im November 2025 wurden mit BirdyChat und Haiket die ersten Drittanbieter bekannt, die sich mit WhatsApp interoperabel verbinden. Damit ist aus der theoretischen Verpflichtung inzwischen eine tatsächlich genutzte Schnittstelle geworden.

Meta bezeichnet den Bereich in WhatsApp als Third-Party Chats. Nutzer in Europa können sich dafür entscheiden, Nachrichten kompatibler Drittanbieter in WhatsApp zu empfangen beziehungsweise mit diesen Diensten zu kommunizieren.

Nein: WhatsApp spricht dadurch nicht automatisch mit Signal, Telegram oder iMessage

Das war einer der Punkte, die ich 2022 zu optimistisch formuliert hatte. Die EU schreibt nicht vor, dass jede beliebige Kombination von Messengern sofort funktionieren muss.

Ein Anbieter muss Interoperabilität anfordern und die veröffentlichten technischen Bedingungen erfüllen. Wenn Signal, Telegram oder ein anderer Dienst diese Anbindung nicht umsetzt, entsteht auch keine Verbindung nur deshalb, weil der DMA existiert.

Auch iMessage ist in diesem Zusammenhang nicht einfach automatisch Teil des WhatsApp-Interoperabilitätsmodells.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung soll erhalten bleiben

Bei der Öffnung eines Messengers ist Sicherheit natürlich eine der schwierigsten Fragen. Der DMA verlangt, dass Gatekeeper bei der Interoperabilität das Sicherheitsniveau ihrer eigenen Nutzer nicht unnötig verschlechtern.

Meta beschreibt seine Lösung so, dass Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und andere Datenschutzgarantien so weit wie möglich erhalten bleiben sollen. Trotzdem sollte man sich bewusst sein: Sobald zwei unterschiedliche Messenger-Systeme zusammenspielen, wird die technische Vertrauenskette komplizierter.

Interoperabilität ist freiwillig für den Nutzer

Ein wichtiger Punkt: Niemand muss Third-Party Chats verwenden. Die Möglichkeit soll dem Nutzer zusätzliche Auswahl geben und nicht sämtliche bestehenden Chats automatisch mit anderen Netzwerken vermischen.

Das finde ich deutlich vernünftiger als die Vorstellung, dass plötzlich alle Messenger-Konten ohne Zutun miteinander verbunden würden.

Warum macht die EU das?

Messenger profitieren enorm vom Netzwerkeffekt: Man bleibt häufig bei einem Dienst, weil dort Familie, Freunde oder Kollegen erreichbar sind. Genau diese Abhängigkeit möchte der DMA bei sehr großen Plattformen etwas aufbrechen.

Kleinere Anbieter sollen die Chance bekommen, ihre Nutzer mit Menschen auf einem Gatekeeper-Dienst kommunizieren zu lassen, ohne dafür selbst Hunderte Millionen Nutzer gewinnen zu müssen.

Soziale Netzwerke bleiben vorerst außen vor

2022 stand auch die Frage im Raum, ob ähnliche Regeln später für soziale Netzwerke gelten könnten. Die EU-Kommission hat das inzwischen geprüft und hält eine Ausweitung derzeit für verfrüht. Artikel 7 bleibt also zunächst auf die Messenger-Interoperabilität konzentriert.

Mein Fazit nach vier Jahren

Die Idee von 2022 ist tatsächlich Realität geworden – nur wesentlich kontrollierter, als ich damals vermutet hatte. WhatsApp muss sich nicht wahllos mit jedem Messenger verbinden, sondern stellt auf Anfrage definierte Schnittstellen für kompatible Anbieter bereit.

Spannend wird für mich vor allem, ob in den nächsten Jahren größere unabhängige Messenger diese Möglichkeit nutzen. Erst dann dürfte man im Alltag wirklich merken, ob der Netzwerkeffekt von WhatsApp dadurch schwächer wird.

Quellen: Europäische Kommission: Messaging Interoperability und Meta: WhatsApp Third-Party Chats.

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