Überarbeitet am 8. September 2026.
Als ich Nextcloud vor Jahren zum ersten Mal installiert habe, war mein Hauptgedanke ziemlich simpel: Ich wollte meine Dateien nicht bei Google Drive oder einem anderen großen Cloud-Anbieter ablegen. Inzwischen ist daraus deutlich mehr geworden. Nextcloud ist heute eher ein kompletter digitaler Arbeitsplatz, den man auf dem eigenen Server betreiben kann.
Das Schöne daran: Man muss nicht alle Funktionen benutzen. Wer nur Dateien synchronisieren möchte, kann genau das tun. Wer später Kalender, Kontakte, Videochat, Office oder einen RSS-Reader ergänzen möchte, installiert die passenden Apps dazu.
Dateien synchronisieren und teilen
Der Kern von Nextcloud ist weiterhin Nextcloud Files. Dateien können über den Browser, Desktop-Clients und die Apps für Smartphones erreicht und synchronisiert werden. Damit bekommt man im Alltag etwas Ähnliches wie Dropbox, OneDrive oder Google Drive – nur eben auf dem eigenen Server oder bei einem selbst gewählten Anbieter.
Dateien und Ordner lassen sich außerdem per Link teilen. Solche Freigaben können je nach Bedarf mit Passwort, Ablaufdatum und weiteren Einschränkungen versehen werden. Auch Freigaben zwischen Nextcloud-Servern sind möglich.
Kalender und Kontakte
Kalender und Kontakte gehören für mich zu den Funktionen, die eine eigene Cloud erst richtig nützlich machen. Nextcloud verwendet dafür offene Standards wie CalDAV und CardDAV. Dadurch lassen sich Kalender und Adressbücher mit vielen Programmen und Betriebssystemen synchronisieren.
Damit liegt nicht nur die Dateiablage auf dem eigenen Server, sondern auf Wunsch auch das persönliche Adressbuch und der Kalender.
Nextcloud Talk für Chat und Videotelefonie
Mit Nextcloud Talk gibt es Chats, Sprach- und Videoanrufe direkt innerhalb der eigenen Nextcloud. Das funktioniert im Browser und über mobile Apps. Gerade für kleine Teams, Familien oder Vereine ist das interessant, weil Dateien und Gespräche nicht auf mehrere Plattformen verteilt werden müssen.
Dokumente direkt im Browser bearbeiten
Auch Office gehört inzwischen fest zum Nextcloud-Ökosystem. Dokumente, Tabellen und Präsentationen können direkt im Browser bearbeitet und gemeinsam genutzt werden. Welche Office-Lösung zum Einsatz kommt, hängt von der eigenen Installation ab.
Für mich ist genau das einer der Punkte, an denen Nextcloud über eine reine Dateiablage hinausgeht: Eine Datei muss nicht erst heruntergeladen, lokal bearbeitet und anschließend wieder hochgeladen werden.
Fotos und Videos
Fotos vom Smartphone können automatisch zur Nextcloud hochgeladen werden. Für die Anzeige gibt es die integrierten Funktionen von Nextcloud sowie zusätzliche Apps aus dem App Store. Gerade bei großen Fotosammlungen lohnt es sich, unterschiedliche Lösungen auszuprobieren, weil die Anforderungen sehr verschieden sein können.
Notizen, Aufgaben, Projekte und RSS
Der Nextcloud App Store ist für mich einer der größten Vorteile. Dort findet man Erweiterungen für sehr unterschiedliche Einsatzzwecke. Beispiele sind:
- Notes für einfache Notizen
- Tasks für Aufgaben
- Deck für Kanban-Boards und Projektplanung
- News als RSS-Feedreader
- Mail für E-Mail
- Bookmarks für Lesezeichen
- External Storage für zusätzliche Speicherziele
Man sollte trotzdem nicht jeden Fund aus dem App Store installieren. Weniger ist bei einer produktiven Nextcloud oft mehr. Ich schaue vorher, ob eine App aktiv gepflegt wird und zur verwendeten Nextcloud-Version passt.
Versionierung und Papierkorb
Nextcloud kann ältere Dateiversionen aufbewahren und gelöschte Dateien zunächst im Papierkorb behalten. Das ersetzt natürlich kein richtiges Backup, ist im Alltag aber enorm praktisch. Eine Datei versehentlich überschrieben oder gelöscht? Oft lässt sie sich mit wenigen Klicks zurückholen.
Nextcloud ist keine automatische Datensicherung
Das ist ein Punkt, den ich heute deutlicher schreiben würde als früher: Nur weil Dateien in Nextcloud liegen, sind sie noch nicht automatisch sicher. Wird der Server beschädigt, verschlüsselt oder versehentlich gelöscht, kann auch die Cloud weg sein.
Zu einer selbst gehosteten Nextcloud gehört deshalb ein externes Backup der Daten, der Datenbank und der Konfiguration. Wer die Cloud selbst betreibt, bekommt Kontrolle – übernimmt dafür aber eben auch Verantwortung.
Datenschutz und Kontrolle als größter Vorteil
Der für mich wichtigste Unterschied zu vielen klassischen Cloud-Diensten ist bis heute derselbe: Ich entscheide, wo die Daten liegen. Bei einem eigenen Server kenne ich den Speicherort, kann Backups selbst organisieren und bestimme, welche Erweiterungen installiert werden.
Natürlich bedeutet das auch Arbeit. Updates, Backups und Sicherheit gehören dazu. Wer damit gar nichts zu tun haben möchte, kann Nextcloud auch bei einem Anbieter mieten und muss den Server nicht selbst administrieren.
Für wen lohnt sich Nextcloud?
Nextcloud lohnt sich aus meiner Sicht besonders für Leute, die ihre Daten nicht auf mehrere Dienste verteilen möchten. Dateien bei Anbieter A, Kalender bei B, Kontakte bei C und Videotelefonie bei D – das kann Nextcloud zumindest teilweise unter einem Dach zusammenführen.
Man muss dafür kein Unternehmen sein. Auch für eine einzelne Person oder eine Familie kann eine kleine Nextcloud sinnvoll sein. Und wer Spaß am Selfhosting hat, findet im App-Ökosystem ziemlich schnell das nächste Projekt.
Wenn du Nextcloud selbst betreibst, solltest du dir auch meinen aktualisierten Beitrag Nextcloud richtig absichern ansehen.
Mehr Informationen gibt es direkt bei Nextcloud und im Nextcloud App Store.
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